Agroforst-Praxis in Deutschland

Nachhaltige Landwirtschaft mit Bäumen: Agroforstsysteme – Agroforstwirtschaft

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Während in England und Frankreich durch die Forschungsaktivitäten sich Agroforstsysteme zunehmen verbreiten, stehen wir in Deutschland erst ganz am Anfang der Forschung und der Praxis. Bisher wurden in Deutschland nur wenige moderne Agroforstsysteme von engagierten Privatpersonen oder Landwirten angelegt, die nicht immer dem aktuellen Stand des Wissens folgten oder sich auf Sträucher beschränkt haben. Andere sind aus der Nutzung heraus gefallen oder nur als Schauobjekt angelegt. Dadurch fehlen anschauliche Beispiele für die wirtschaftlichen Potentiale fast völlig. Deshalb sollen zumindest einige Ansätze hier vorgestellt werden. Weitere folgen.
 

 

 


AGROFORSTSYSTEME (AFS) IN DEUTSCHLAND



AFS mit wissenschaftlichem Hintergrund

TU Cottbus

Universität Freiburg



Auf landwirtschaftlichen Betrieben

Lebensgut Pommritz (1994)

Groß Zecher (2002) (noch in Nutzung?)

Hof Hollergraben (2006)

Rieger & Hofmann (2007) (Infos folgen)

Sepp Braun (2008) (Infos folgen)



Agroforstsysteme aus Sträuchern

Melchhof

Joe Engelhardt (Umbau)



private Initiativen, Verbände und traditionelle Agroforstsysteme

traditionelle Streuobstpflanzungen

Streuobst mit Wertholznutzung

 

 

 

 

 

Erzeugung von Biomasse durch Alley-Cropping (Brandenburg)


mehr dazu unter Gehölze für Energie und Biomasse


 

 

 

Agroforst Demonstrationsparzelle Breisach „Stockfeld“

Im Rahmen des Verbund-Forschungsprojektes „agroforst“ der Universität Freiburg (Baden-Württemberg wurde durch Prof. H. Spiecker (Institut für Waldwachstum) eine Beispielsfläche für Agroforstwirtschaft angelegt. Um in der kurzen Zeit des Forschungsprojektes schon einen Eindruck von der kombinierten Nutzung geben zu können, wurden drei vorhandene Parzellen umgenutzt.

Pflanzung der Bäume: 1997

Umnutzung als Agroforstfläche: 2005

Neues Design: Kirsche als Edellaubbaum (Herkunft Liliental) in Reihenabstand von 15 m x 15 m mit konventioneller landwirtschaftlicher Nutzung (Winterweizen)

Größe: ca. 2.250 m², davon 4 Reihen Kirsche

Lage: Die Fläche liegt in der Oberrheinebene westlich des Kaiserstuhls (und Freiburg/Breisgau) und nordöstlich von Breisach im ehemaligen Schwemmfächer des Rheins.

Hintergrund: Die Edellaubbaum-Demonstrationsfläche Breisach „Stockfeld“ wurde 1997 angelegt. Die Edellaubbaum-Weitverbandspflanzung soll die Möglichkeit demonstrieren, Laubbäume zur Wertholzproduktion auf eine vergleichweise extensive Weise mit weniger Pflanzen, im Vergleich zu klassischen Auffforstungen (mit bis zu 4.000 Bäumen/ha) zu begründen. Durch die stammzahlarme Begründung mit ca. 445 Kirschen/ha reduziert sich der Aufwand für Bestandgründung und -pflege. So war der Schritt zum Agroforstsystem nicht weit.

(Text und Daten entnommen dem Exkursionsführer, Fachtagung Juli 2007 in Freiburb i.Brsg.; mit freundlicher Genehmigung von H. Spiecker)

Google-Maps Link:

http://maps.google.de/maps?hl=de&ie=UTF8&ll=48.070509,7.59078&spn=0.012589,0.027637&t=h&z=15





Blick in die Agroforst-Demonstrationsparzelle „Stockfeld“ Juli 2007



M. Brix während einer Demonstration zum Aufasten der Wertholz-

Kirschbäume während der Agroforst-Fachtagung Juli 2007

 

 

 

Agroforstanlage Hof Hollergraben, Holstein [Text: Klaus Strüber (bearb.)]

Auf 5,3 ha stehen über 350 Bäume in über 20 verschiedenen Arten in Streifen in Abständen von 21 Metern. Dazwischen ist weiterhin Ackerbau möglich, in 2007 wird dort Hafer, Kleegras, Zwischenfrucht, Winterweizen angebaut. Ergänzt wird die Anlage durch eine Brennholz- und eine Haselplantage. Die Nutzung der Anlage besteht aus Brennholzproduktion, Jungbaumproduktion und Wertholzproduktion. Die Plantagen produzieren Brennholz und Marktfrüchte.

Beschreibung der AFS Hof Hollergraben

Im Abstand von 24 m wurden 3 m breite Streifen gepflügt und eine Untersaat eingebracht (Buchweizen, Kleesorten). Darauf wurden mittig die Bäume in pflanzenabhängigen Abständen von 3 oder 6 Metern gepflanzt. Die Ackerflächen zwischen den Baumreihen haben damit einen Abstand von 21 Metern, angepasst den Geräten des Betriebes, wie z.B. Mähdrescher mit 3 Meter Schneidtisch. Die eigentlichen 8 Baumreihen haben Längen von 152 bis 237 Metern.

In zwei entstandenen Ecken, die schlecht bewirtschaftbar geworden sind, wurden eine Birkenanlage gepflanzt (Brennholznutzung) und eine Haselnussanlage (Marktfruchtnutzung). Gepflanzt sind über 350 Bäume der Arten: Acer capilipes, Acer japonicum, Acer pseudoplatanus, Acer saccharum, Betula albosinensis, Betula jacquemonti, Betula pendula, Corylus columa, Corylus maxima, Fraxinus excelsior, Liquidambar styraciflua, Morus alba, Nyssa sylvatica, Paulownia tomentosa, Prunus avium, Prunus 'Ouillins Reneklode', Prunus cerasifera 'Nigra', Prunus serrulata, Malus domestica, Sambucus nigra, Malus 'Evereste'. Die Bäume werden später als Bauholz, Möbelholz und Brennholz genutzt. Dazu werden einzelne Jungbäume später an Baumschulen verkauft.

Die Streifen der landwirtschaftlichen Nutzung betragen 21,00 m Breite. Im hinteren Teil wurde im Rahmen der betrieblichen Fruchtfolge Ende März 2007 Hafer angebaut, im vorderen Teil steht Kleegras, dann kommt eine Zwischenfrucht und im Oktober Winterweizen.

Die Anlage ist errichtet worden mit einer Gesamtgröße (AFS & lw. Nutzfläche) von 5,3 ha mit 8 Baumreihen von 0,50 ha.

Längerfristige Ziele und Nutzungsmöglichkeiten

Die AFS Hof Hollergraben soll in 3 Varianten genutzt werden:

  • Brennholz (ab ca. 2017)

  • Jungbäume (ab ca. 2012)

  • Wertholz (ab ca. 2037)

 

Dazu kommen die Nutzungen der Plantagen:

  • Brennholz (ab ca. 2013)

  • Haselnüsse als Marktfrucht (ab ca. 2013)

 


 Blick auf die Agroforstanlage Hof Hollergraben nach der Pflanzung, rechts und links die Bäume mit Verbissschutz. Bild: Klaus Strüber

Kontakt:

Hof Hollergraben GbR

Klaus Strüber

Hollergraben 4

23744 Schönwalde

www.hof-hollergraben.de









 

 

 

Agroforstprojekt Pommritz (Sachsen)


 

Im Herbst 1994 wurde, weil noch einige ABM-Sachmittel bei einer Landschaftspflege-ABM des LebensGutes Pommritz zur Verfügung standen, relativ unvorbereitet mit der Anlage eines Agroforstfeldes in Pommritz (ca. 12 km östl. von Bautzen) begonnen.

Dafür wurde der Schlag „Erle“ als sehr günstig erachtet, weil dieser Schlag ein Südgefälle hat und auch nicht allzu weit vom Gutshof entfernt liegt (weniger als 1 km). Auch die Bodenverhältnisse erscheinen für Obst-, Frucht- und Nutzhölzer geeignet zu sein, wobei die Differenzierung der Bodenverhältnisse bei der Artenwahl berücksichtigt wurde.

 

 


 

Im gleichen Jahr wurde auch eine wegbegleitende Benjeshecke und Initialbepflanzung gepflanzt, um kleinklimatische Verbesserung aus der Hauptwindrichtung Südwest zu bewirken.

Es wurden auf einer rund 1 ha großen Fläche in 3 x 210 m langen Reihen mit einem Reihenabstand von 14 m abwechselnd alle 10 m Walnußsämlingsbäume und dazwischen, also 5 m vom Walnußbaum entfernt, Obstbaumhalbstämme (vor allem Pflaumen) gepflanzt. Das Gelände ist nach Süden geneigt und die Bearbeitungsrichtung verläuft quer zum Hang.

 

 


 

Die ca. 64 Walnuß- und 60 Obstbäume sind gut angewachsen und zeigen größtenteils ein gutes Wachstum und machten bisher keine großen Probleme bei der Bearbeitung der Felder zwischen den Reihen.

Das liegt daran, dass Walnußbäume und Pflaumen­bäume mit ihren Ästen mehr nach oben streben. Die zwei Eßkastanienbäume die an zwei Stellen anstelle der Walnuß gepflanzt wurden, zeigen kein gutes Wachstum und wuchsen nicht so schön in die Höhe wie die Walnußbäume, was sich nachteilig auf die Bewirtschaftung auswirkt.

Die Walnußsämlinge die aus der Baumschule Löbau, eine Baumschule mit jahrzehntelanger Kompetenz bei Walnüssen, brachten 2004 eine gute Ernte mit guten Fruchtqualitäten (große gut gefüllte Nüsse).

Bericht: Alfons-E. Krieger, August 2005

 

 

 

Melchhof – Landwirtschaftlicher Gemischtbetrieb mit Rosenhecken (Brandenburg)

 

Auf diesem Demeter Biobetrieb in Nordost-Brandenburg sind auf 1,15 ha das Feld von Heckenstreifen durchzogen, die aus Fruchtrosen (Rosa villosa) gebildet werden. Der Abstand zwischen den Hecken beträgt 18m. Die Breite ergibt sich aus der Breite für 10 Beete plus Heckensaum. Als Zwischenkulturen werden verschiedenste Gemüse für die Direktvermarktung angebaut.

Die Ernte der Früchte geschieht im sog. Schnitternteverfahren. Die Früchte werden mit Zweigen von den Sträuchern geschnitten und auf eine Rüttlermaschine gelegt. Dabei werden die Früchte abgerüttelt und von den Zweigen getrennt. Die Früchte werden zu Bio-Fruchtaufstrich verarbeitet.

Neben den ökologischen Vorteilen werden von den Betriebsleitern besonders die Überschaubarkeit der Gemüseflächen als Vorteil gesehen. Auch die Windschutzwirkung kommt auf den sandigen Böden zur Geltung. Nachteilig sind die Randstreifen durch ihren Besatz an Quecken, die in dieser Gegend fast unvermeidlich sind.

 

 

 

Agroforstsystem Groß Zecher

Im Jahr nach der Pflanzung

Das Agroforstsystem wurde Anfang 2002 im Rahmen des SAFE-Projektes von den Landschaftskünstlern Frank Schumann und Bernd Schindler in der Trägerschaft von FINIS e.V angelegt. Es steht auf einer ca. 15 ha großen Fläche des Gutshofes der Landwirtin Hannelore von Witzendorff, zwischen Hamburg und Schwerin.

Die Fläche hat eine hügelige Bodenstruktur mit einem maximalen Höhenunterschied von ca. 10m. Der Untergrund ist sandig, trocken und sauer (PH 5,2) und damit unproduktives Ackerland (Bewertung von 25 Bodenpunkte). Dieser Grenzertragsboden ist seit 1994 stillgelegt und wird nur gelegentlich bewirtschaftet. Aufgrund der Gehölzauswahl, der Frühjahrspflanzung und folgenden Sommertrockenheit war die Überlebensrate der Gehölze gering, es mussten sehr viele Bäume nachgepflanzt werden.

Die zum großen Teil fragwürdige Gehölzauswahl (wie z.B. Elsbeere, Speierling oder Zuckerahorn) erscheint kritisch für die schwierigen Bodenverhältnisse, da ein zügiges Wachstum für den (wirtschaftlichen) Erfolg jedes Agroforstsystem notwendig ist. Die schlechte Überlebensrate und dürftigen Wuchsergebnisse sind eher ein Beispiel für eine misslungene Planung. Damit ist das ästhetisch interessante System nicht zur Nachahmung zu empfehlen. Auf grundwasserfernem Sandboden sollte nur auf erprobte Baum- und Straucharten, eine Herbstpflanzung sowie angemessene (geringe) Ertragserwartungen gesetzt werden.

Luftbild im Jahr nach der Pflanzung 

Besonderheiten des Projektes: Die Baumreihen sind ästhetisch ansprechend entlang der Höhenkonturen gepflanzt. Mit Hilfe von „Farbfeldern“ aus blühenden Gründüngungspflanzen wurde die Fläche im Jahr vor der Pflanzung in ihrer künftigen Struktur visualisiert. Besonderer Schwerpunkt des Projektes bildet die Information und Einbeziehung der Bevölkerung. Die Pflanzen wurden mit Hilfe einer Waldorfschule gepflanzt, es fanden Informationstage für die Bevölkerung und Behörden statt.

 


Pflanzung der Bäume: 2002

Baumarten: Bergahorn, Elsbeere, Robinie, Speierling, Vogelbeere, Götterbaum, Nymphenbaum, Eisenholzbaum, Paulownie, Zierapfel, Blutpflaume, Vogelkirsche, Zuckerahorn

Reihenabstand: 28 m x 3 m mit konventioneller landwirtschaftlicher Nutzung bzw. Brache

Bodenverhältnisse: Sand, Moräne

Größe: ca. 15 ha

Lage: Holstein, westlich des Schaalsees



www.agropark.org

 

 

 

Traditionelle Modelle / Streuobstpflanzungen

traditionelle Obstpflanzung zwischen den Feldern bei Schwanau (Baden)

Natürlich können auch viele traditionelle oder aktuelle Heckenpflanzungen oder Streuobstwiesen als Agroforstsysteme gesehen werden. Kriterien für vorgestellte Agroforst-Pflanzungen sind hier (außer bei den Forschungsvorhaben) vor allem die ökonomische Nutzung der Gehölz-Komponente.
 
 
 
 
 

neue Obstpflanzung im Acker bei Grevesmühlen (Mecklenburg)

Bei Neuanpflanzungen v.a. von Steuobstwiesen fehlt oft eine ökonomische Relevanz. Durch Nutzung von ertragsschwachen oder falschen Obstsorten und mangelnde Pflege (fehlende Baumscheibe, Schnittmaßnahmen) ist der Ertrag der Gehölze zu niedrig, um zur wirtschaftlichen Leistung beizutragen. Dadurch werfen solche Versuche ein eher negatives Bild auf Agroforstsysteme.
 
 
 
 

 

 

Wertholznutzung - Modellprojekt

Ein gelungenes Beispiel hat der NABU initiiert: Beim Modellprojekt "Streuobst und Holznutzung" wurden im Dezember 2005 im Bliesgau (Saarland) rund 500 hochstämmige Obstbäume mit einer Stammhöhe von 2,5 Metern gepflanzt. Ziel ist es, die Bäume bzw. deren Stammholz für die Möbelverarbeitung zu nutzen. Mehr dazu:

http://baden-wuerttemberg.nabu.de/themen/streuobst/verarbeitung/07460.html

 

 

 

 

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