Der Agroforestry Research Trust, England

Nachhaltige Landwirtschaft mit Bäumen: Agroforstsysteme – Agroforstwirtschaft – Waldgarten

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Es folgt ein Bericht von dem Besuch im Rahmen einer Exkursion nach England, Juni 2003, ein Link sowie eine Gehölzliste. Es handelt sich um ein europäisches Beispiel zur nicht-kommerziellen Agroforstwirtschaft.

 

 

Führung durch das Schumacher Forest Garden Project

 

 



Angegliedert an das Schumacher College (Nähe Totnes / Torquay), benannt nach dem Autor von „Small is beautiful“, liegt eine Versuchs- und Demonstrationsfläche mit einem „Forestgarden“. Die Führung erfolgte durch Martin Crawford, den Direktor des Agroforestry Research Trust (A.R.T.). Der A.R.T. wurde 1992 als gemeinnützige Organisation gegründet, um Forschungen zu allen Aspekten von Agroforstwirtschaft in den gemäßigten Breiten durchzuführen. Der A.R.T. wird von bekannten Reformern und Autoren wie Herbert Giradet, James Lovelock und John Seymour unterstützt. Er betreibt verschiedene Versuchsflächen, unter anderem das besichtigte Projekt.

Das Gelände von ca. 1 ha Größe wurde dem A.R.T. Vom Dartington Hall Trust zur Verfügung gestellt. Die Fläche hat eine Nord-Süd-Ausrichtung und wird im Westen durch einen kleinen Wald vor den maritimen Winden geschützt, die hier ein Problem darstellen können. Die Bepflanzung mit Gehölzen folgt dem Schema, das die Bäume der Größe nach von Norden nach Süden abnehmend gepflanzt sind, um das Sonnenlicht optimal zu nutzen. Nach Osten ist als schnellwachsender, Stickstoff sammelnder Windschutz die Doldige Ölweide (Eleagnus umbellata) gesetzt (Pflanzenliste im Anhang).

Ein wesentliches Ziel dieses Projektes ist die Präsentation und Langzeitbeobachtung von ca. 100 Bäumen und Sträuchern in Form eines „forestgarden“, was sich mit Waldgarten oder besser mit Haingarten übersetzen lässt. Dieser Haingarten besteht wie eine Streuobstwiese aus solitären Nutzgehölzen, die zusätzlich mit einer Unterpflanzung aus essbaren Stauden und Halbsträuchern bepflanzt wird. Die Pflanzenauswahl wird im folgende beschrieben.

Der Eingangsbereich umfasst neben einem Anzucht-Folientunnel und dem Freiland-Jungpflanzenquartier die mittelgroßen Sträucher bis ca. 3 m Höhe, wie drei Arten von Sechuan-Pfeffersträuchern (Zanthoxylum sp.), eine Selektion des amerikanischen Schneeballs (Viburnum trilobum) oder eine großfrüchtige Mispel (Mespilus germanica 'Nottingham'). Weiter stehen dort zwei Eucalyptus, die regelmäßig auf Stock gesetzt (zurück geschnitten) werden, damit man die Blätter für medizinale Zwecke ernten kann.

 



Das Gelände ist mit Gräsern eingesät gewesen, die Gehölze wurden zunächst mit Bändchengewebe (einer gewebten Folie) gemulcht, um den Wurzelbereich konkurrenzfrei zu halten. Nach Absterben der Grasnarbe wird das Mulchgewebe weiter nach außen gerückt. Der freiliegende Teil wird einmalig mit Rindenmulch und der Unterpflanzung, wie z.B. Minze (Mentha sp.), Arktische Brombeere (Rubus arcticus) oder Knollen-Platterbse (Lathyrus tuberosus) versehen. Die bodendeckende Unterpflanzung wird nach Bedarf flach getreten, auch um den Zugang zu den Gehölzen zu erleichtern.

Ein Teil der Pflanzenauswahl sammelt den Luftstickstoff und dienen damit der Bodenverbesserung. Dabei handelt es sich um Gehölze und Stauden wie Sibirischen Erbsenstrauch (Caragana arborescens), die oben erwähnten Ölweiden, Erlen (Alnus sp.) oder die Knollenplatterbse. Damit wird die Fruchtbarkeit im Gesamtsystem gezielt verbessert. Die Herzblättrige oder Italienische Erle* (Alnus cordata) wird zusätzlich als Rankhilfe für Kletterpflanzen genutzt z.B. für die Kiwi-Verwandte Flamingo-Strahlengriffel* (Actinidia kolomikta), wodurch sie eine zusätzliche Funktion erhält. Für den Bedarf an Bindematerial sind Pflanzen vom Neuseeländischen Flachs (Phormium tenax) gesetzt. *[Anm. Es gibt z.T. mehrere deutsche Namen für die Pflanzen. Sie sind nicht alle aufgeführt.]

Auf dem Gelände sind zwei Teiche gelegen, einer davon im Norden, der etwas höher gelegen ist. Dieser soll der Bewässerung dienen, was bisher nicht nötig war. Auf Weidenbeeten neben dem zweiten Teich werden verschiedene Sorten für den Rutenverkauf (für Stecklinge) gezogen.

Der Arbeitszeitbedarf für die 0,9 ha Fläche beträgt in der Saison von April bis Juni ca. 10 Stunden pro Woche. Dazu kommen insgesamt 7 Stunden von Juli bis Oktober, in denen die Fläche vom wilden Aufwuchs wie Weide, Brombeeren oder Brennessel befreit wird, die sonst überhand nehem würden. Die Pflanzarbeiten werden in einer Woche während des Winterhalbjahres erledigt. Damit ist der gesamte Erhaltungsaufwand für die Fläche recht gering. Der Haingarten wird darüber hinaus von den Crawfords für die Selbstversorgung genutzt.

Die Kosten für Pflanzen und Samen betrugen ca. 4000 £ (ca. 6000 €). Die Kosten für die Bewirtschaftung der Versuchsflächen sowie des Einkommens von Martin Crawford werden zu einem Drittel durch Spenden, zu zwei Dritteln durch den Verkauf von selbst produzierten Pflanzen und publizierter Literatur aufgebracht. Es beträgt ca. 30.000 £ (ca. 45.000 €) pro Jahr.

Bei der Gesamtbetrachtung des ursprünglichen Designs (Entwurfes) für den Haingarten ist festzustellen, dass ein Großteil des beabsichtigten Maßnahmen erfolgreich umgesetzt werden konnten. Nur wenige Vorgehensweisen führten nicht zu gewünschten Erfolg, z.B. wurde eine kleine Fläche von Erdbeeren durch Hahnenfuß überwuchert. Dieses ist allerdings recht einfach mittels der beschriebenen Mulchtechnik wieder zu ändern.

Insgesamt stellt das besichtigte Projekt ein gutes Beispiel einer agroforstlichen Gestaltungsweise für die Selbstversorgung und eine innovative Form eines Arboretums dar.

Bericht von Burkhard Kayser





Liste der besichtigten Gehölze

Die Pflanzen sind nach dem botanischen Namen geordnet und nach Gehölzen und Stauden unterteilt. Die meisten Pflanzen haben essbare Früchte.



Botanischer Name

Deutscher Name

Bemerkungen

Actinidia kolomikta

Flamingo-Strahlengriffel, Rosa-, *

Kiwi-Verwandte, rankend

Alnus cordata

Italienische Erle, Herzbl. Erle

N, als Rankgerüst

Alnus viridis

Grünerle

N

Amelanchier alnifolia

Erlenblättrige Felsenbirne

Auch Sorten in Kanada

Arbutus unedo

Erdbeerbaum

Früchte essbar, Feuerholz, frosthart bis -7° – -12° C

Castanea sativa 'Rousse de Nay' und 'Marigoule'

Esskastanie, Edelkastanie

Französische, großfrüchtige Sorten

Cephalotaxus harringtonia

Japanische Pflaumeneibe

Früchte essbar, schattentolerant

Chaenomeles cathayensis

Zierquitte, Scheinquitte°

Bes. großfrüchtig

Cornus kousa var. chinensis

Chinesischer Blumen-Hartriegel

Früchte essbar

Crataegus pinnatifida var. Mayor 'Big Golden Star'

Weißdorn-Verwandter °

Früchte essbar, aber nicht ausreifend, kochen

Diospyros virginiana

Scharon-Frucht°



Eleagnus x ebbingei

Wintergrüne Ölweide

N, wenig frosthart

Eleagnus umbellata

Doldige Ölweide *

N

Eucalyptus urnigera

Eukalyptus°

Frosthart bis -15° – -18 °C

Halesia carolina

Schneeglöckchenbaum

Früchte essbar

Hypericum androsaemum

Mannsblut

Medizinale Nutzung

Mespilus germanica 'Nottingham'

Mispel

Großfrüchtige Sorte

Phyllostachys viridi glaucescens

Flachrohr-Bambus°

Frosthart bis ca. -20 °C, Sprossen bis max. 40 cm Länge ernten,

Phyllostachys sp.

Flachrohr-Bambus°

Alle Phyllostachys sind essbar, manchmal aber bitter.

Phormium tenax

Neuseeländer Flachs

Faserpalme, bis -7° – -15° C

Rubus Hybr. 'Betty Ashburn'

Brombeer-Hybride°

Bodendecker

Rubus tricolor

Brombeere°

Als Bodendecker niederdrücken, Höhe 150 cm; trockenheitsvertr.

Sambucus canadensis 'York'

Kanadischer Holunder

Sorte selbststeril, ohne Fruchtansatz dauert Blüte 6-10

Shepherdia argentea

Silber-Büffelbeere

N, Blüte frostgefährdet

Sorbus tibetica 'John Mitchell'

Tibetischer Sorbus°

Früchte mit Mispelaroma

Tilia cordata

Winter-Linde

jg. Blätter als Salat

Tilia tomentosa

Silber-Linde

jg. Blätter als Salat

Viburnum trilobum 'Phillips'

Amerikanischer Schneeball °

Sorte

Zanthoxylum alatum

Asiatischer Pfefferstrauch °

Essbare „Pfefferkörner“

Zanthoxylum schinifolium

Japanischer Pfefferstrauch °

Essbare „Pfefferkörner“, 600 g Körner nach 9 Jahren







LEGENDE

° Name nicht gesichert / unbekannt

* Es gibt z.T. mehrere deutsche Namen für die Pflanzen. Sie sind nicht alle aufgeführt.

N = Stickstoff sammelnde Pflanze



Der Link zum Agroforestry Research Trust:

www.agroforestry.co.uk



 

 




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